Ein Blog, eine Frau und ein viel zu großes Mundwerk

Bali und das Müllproblem

…und seine erwachsen gewordenen Probleme.

Bali – ein Paradies. Strände, Reisfelder, Kokosnüsse, Ruhe, Zeremonien und friedliche Menschen. So stellt man sich zumindest die Insel der Götter vor.

 

Bali, Nusa Penida, versteckte Bucht am Crystal Bay

 

Genau so habe ich mir diesen Ort ebenfalls vorgestellt. Friedlich, idyllisch, grün. Aus diesen Gründen sind wir 2017 im September auch nach Bali geflogen. In unseren drei Wochen Aufenthalt ist mir jedoch eine ganz andere Thematik sauer aufgestoßen.

Abgeschieden von den Touristenmassen, ist Bali noch genau der Traum, der uns allen gezeigt wird. Hier kann man noch waren Frieden finden und die Welt ist im Gleichgewicht. Wendet man sich aber wieder den Ballungsgebieten zu, wird der Blick ein anderer. Müll, Tonnenweise Müll. Plastik in Form von Tüten, Flaschen, Verpackungen – wohin das Auge blickt. Das ist die traurige Realität und dein dauerhafter Begleiter auf Bali.

 

 

Nun stell Dir einmal vor:

Du hast ein wundervolles kleines Homestay gefunden und nistest Dich dort für ein paar Tage ein. Damit du dort hinkommst, holst du Dir ein Taxi. Dies zu bekommen ist nicht schwer, denn sobald du eine Straße lang läufst wirst du alle 5 Meter nach einem Transport (oder einer Massage) gefragt. Dass die Taxi Fahrer Dir einen viel zu hohen Preis für die Fahrt abknöpfen wollen, kann gar nicht sein – es sind doch Hinduisten, die machen doch sowas nicht… Denkst du.

Dass du nichts anderes bist, als ein laufender Geldautomat möchtest zu nicht wahrhaben, bis du das zweite Mal für dieselbe Strecke auf einmal nur noch die Hälfte zahlen musst. Du schluckst.
Nachdem zu 3 Stunden für 15 km Strecke in dem Taxi gegessen hast, da die Straßen deutlich schlimmer verstopft sind als zur Rush-Hour auf der A3 am Frankfurter Flughafen, schluckst du ebenfalls einfach runter. Immerhin bist du jetzt in deinem kleinen Homestay angekommen.

Empfangen wirst du freundlich und einen Kaffee bekommst du ebenfalls. Du fühlst Dich wieder gut und lässt Dir von deinem Gastgeber die Umgebung erklären. Einen weißen Strand gäbe es, den Weg dort hoch. Der sei so schön und weiß und man solle auf jeden Fall hingehen. Dass man als Tourist Eintritt zahlen muss für einen künstlich angelegten Stand den man eigentlich nur mit geschlossenem Schuhwerk erreichen sollte, sagt man Dir nicht. Es gäbe aber auch noch einen schwarzen Strand, der sei direkt hier vorne hinter den Feldern. Da sei es sehr ruhig und auch sehr schön.

Also schnappst du Dir deinen Rucksack und läuft den Weg entlang, vorbei an Kühen die so tief muhen, dass ich sie liebevoll Dämonen-Kühe getauft habe. Vorbei an einem Hühnerstall, aus dem die Hühner raus flattern und die schnatternd auf dem Weg entgegen laufen. Vorbei an einem Kalb und seiner Mutter, angekettet im Schatten an einem Baum, neben einem Haufen von Plastikflaschen?

Du läufst weiter, da vorne soll irgendwo der Strand sein. Auf deinem Weg kommt Dir immer mehr Müll entgegen. Papier, Flaschen, alte Schuhe und sogar komplette Müllsäcke liegen neben dir im Gebüsch. Du hörst das Rauschen der Wellen, kletterst einen kleinen Vorsprung runter und stehst am Strand. An einem Strand voll Müll. Du kannst deinen Augen nicht trauen, willst es nicht wahrhaben, du bist doch auf der Insel der Götter. Du läufst weiter Richtung Wasser, vorbei an kaputten und einzelnen Flipflops, Flaschen und Plastik Teilen.

Und dort stehst du nun, in Flipflops und entsetzt auf diesem schwarzen, menschenleeren und von Müll überhäuften Strand und kannst es nicht verstehen.

 

Meinen Schock hatte ich auf sehr schlechter Qualität mit meinem Note 3 im September auf Video festgehalten:

https://youtu.be/hoNC927SKP0

 

Bali, eine Kuh zwischen Flaschen, in der Nähe von Padang Bai

 

Dieses Bild der Berge mit Müll findet man leider regelmäßig. In Serpentinen am Berg, wird der Müll aus dem Fenster geschmissen. Zwischen drinnen ein paar wilde Affen die nach Futter suchen.
Hinter einem Haus, in einer Seitenstraße in der du Dich mit deinem Roller verirrt hast liegt ein 1,50M hoher Berg an Plastikflaschen.
Am Straßenrand findest du überall kleine stinkende Häufchen die fleißig vor sich hin qualmen. Die Balinesen versuchen einiges lokal zu verbrennen. Macht auch Sinn bei Palmenblättern oder den Fasern der Kokosnüsse… aber eben nicht bei Plastik.

 

ein Haufen an Plastik, Bali

 

Bali, Padang Bai, Müll wohin das Auge blickt

 

Diese Thematik betrifft leider nicht nur Bali, sondern unglaubliche viele Plätze der Erde. Um genauer zu sagen betrifft es nicht nur Orte, sondern uns alle! Unsere Meeresbewohner verenden, weil Sie Plastik nicht als Problem und für Sich schädlich erkennen können. Es wird gefressen aus Not und Hunger, weil Wir die Meere leer fischen.

 

Bali war für mich leider nicht das, was ich mir erhofft und gewünscht hatte. Gegangen bin ich mit einem lachenden und einem erschrockenen Auge. Das lachende Auge hatte die Gutmütigkeit und die Spiritualität mitbekommen, dass tolle Essen und dieses besondere Gefühl der Insel. Dieses Gefühl was man nach dem Yoga hat: völlig mit sich im reinen zu sein. Entspannt, geerdet und ein kleines bisschen glücklicher als vorher – einen Zustand, oder auch eben Ort, den man gerne wieder begegnet.

Das erschrockene Auge sah jedoch eine Insel die unter dem unkontrolliertem Ansturm und den Massen an Touristen leidet und in Ihrer Ursprünglichkeit zerstört wird… eine Insel voller Bewohner, die in dieser Geschwindigkeit nicht gelernt haben wie strukturiertes und nachhaltiges Wachstum funktioniert… und genau deswegen, werde ich, obwohl ich dort eine wundervolle Zeit hatte, Bali erst einmal nicht wieder besuchen. Leider.



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